Seit Januar 2018 verkauft Honda eine komplett neue und, mit in der europäischen Basisversion vollgetankt 365 kg, wesentlich leichtere GL 1800, die am 5. Oktober 2017 in Kalifornien vorgestellt wurde. Diese Gold Wing hat einen neuen kürzeren Sechszylinder-Boxermotor mit optional lieferbarem automatischem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DCT) oder 6-Gang-Schaltgetriebe, eine Doppel-Querlenker-Vorderradführung statt der bisherigen Teleskopgabel und reduzierte Abmessungen und Gewichte. Dazu ein elektronisch verstellbares Fahrwerk, elektrische Frontscheibenverstellung, umfangreiche Cockpitelektronik mit Menüsteuerung und in der höchsten Ausstattungsvariante wieder den einzigen Motorrad-Airbag.[24]

Laut Honda zielt das Motorrad, wie schon 2001 die erste GL 1800, erneut auf eine noch jüngere, aber finanzkräftige Kundschaft, da die zufriedenen Fahrer, die schon eine Gold Wing 1500 oder 1800 besitzen, wegen der Langlebigkeit und Zuverlässigkeit ihres Motorrades und der hohen Kosten den Wechsel auf ein neueres Modell oft nicht mehr in Betracht ziehen.[22]

Honda bietet verschiedene Modellvarianten der SC 79 an.[25] Allen gemeinsam ist der Motor mit quadratischem Hub/Bohrungsverhältnis von 73 × 73 mm und das Fahrwerk mit der ungewöhnlichen Doppel-Querlenker-Gabel, die beim Einfedern das Vorderrad nicht, wie bei einer Teleskopgabel, näher an den Motor bringt, sondern fast senkrecht nach oben führt. Dadurch kann der Motor und auch der Fahrer weiter nach vorne rücken und damit die Gesamtlänge reduziert werden. Ein Nebeneffekt der Vorderradführung ist der Wendekreis von nur 3,40 Metern. Außerdem soll durch die Entkoppelung von Führung, Federung und Dämpfung ein feineres Ansprechverhalten der Gabel die Fahreigenschaften erheblich verbessern. Der Lenkkopfwinkel beträgt 30,5°.[22]

Das rundliche Design der 2001 vorgestellten GL 1800 wird von einem kantigeren und schlankeren Erscheinungsbild abgelöst, das die Linien der Honda DN-01 und ST 1300 mit denen der alten Gold Wing vereint.[25] Motor und Getriebe sind nicht mehr, wie bisher, vollständig mit Kunststoffblenden verkleidet, sondern die Technik wird wieder etwas besser sichtbar. Die Windschutzscheibe ist elektrisch verstellbar und bietet besseren Wetterschutz, obwohl sie schmaler ist als beim Vorgängermodell. Eine ausfahrbare Belüftungsöffnung oben auf dem Armaturenbrett ersetzt die bisher in der Windschutzscheibe eingebaute Belüftungsklappe.

Ein 7-Zoll-LED-Bildschirm sitzt zentral im Glas-Cockpit zwischen Tacho und Drehzahlmesser, um Navigationssystem, Mobiltelefon, externe USB-Geräte, Infotainment und die menügesteuerte Fahrzeugelektronik zu bedienen und, erstmals in einem Motorrad, Apple CarPlay zu integrieren.[25] Die Menüsteuerung kann über einen zentral auf der Tankattrappe positionierten Wählknopf oder alternativ über einen Vierwegeschalter am linken Lenkerschaltblock bedient werden. Auch der Reifendruck und der eingelegte Gang werden im großflächigen Display angezeigt, das zusätzlich in Details personalisiert werden kann. Griff- und Fahrersitzheizung werden in je 5 Stufen über das Menü eingestellt und der Status im Display angezeigt. Der Beifahrer kann seine Sitzheizung über ein Wählrad auf dem linken Seitenkoffer selbst regulieren.[23]

Die Scheinwerfer, Tagfahrleuchten, Blinker und Rückleuchten sind vollständig in LED-Technik gebaut und ein Smart-Key-System ermöglicht das automatische Entsperren von Fahrzeug und Koffern bei Annäherung, aber auch das manuelle Absperren von Stauraum, Lenkschloss und Zündung, falls man in der Nähe bleibt. Ein Wählknopf ersetzt das Lenk-Zündschloss. Die Headsets der Helme von Fahrer und Sozius sind nicht mehr kabelgebunden, sondern funktionieren über Bluetooth und Telefonanrufe können über eine Taste am linken Lenker-Bedienteil angenommen oder beendet werden. Durch die Menüsteuerung wurde die Anzahl der Bedienknöpfe am Lenker und der Verkleidung gegenüber der SC 68 erheblich reduziert. USB-Anschlüsse in Topcase und Handschuhfach ermöglichen das Aufladen von Geräten und den Zugriff auf Mobiltelefon und Multimedia-Player über die Menüsteuerung.[23]

Der Motor hat einen Hubraum von 1833 cm³ und vier Ventile pro Brennraum. Trotz der höheren Leistung von 93 kW (125 PS) bei 5500 min−1 soll die Höchstgeschwindigkeit bei 180 km/h abgeregelt werden. Das spielt im Rest der Welt keine Rolle, aber Honda will damit wohl verhindern, dass Fahrwerksprobleme bei hohen Geschwindigkeiten auf deutschen Autobahnen, wie sie vereinzelt bei der ST 1300 auftraten, das Image ihres Spitzenmodells beeinträchtigen. Den elektronischen Gasgriff (Throttle-by-Wire) mit Tempomat, ABS und Traktionskontrolle haben alle Modelle, wie auch einen Rückwärtsgang und eine Berganfahrhilfe. Das Drehmoment von 170 Nm liegt nur leicht über dem der Vorgängerin, aber die Gewichtsreduzierung um vollgetankt bis zu 48 kg ermöglicht damit einen Sprung in den Fahrleistungen. Anlasser und Lichtmaschine sind jetzt in einem Agregat (ISG – Integrated Starter Generator) vereint, um Gewicht zu sparen. Beim Ampelstopp stellt ein Stopp-Start-System den Motor nach 3 Sekunden Leerlauf ab. Danach genügt ein kurzer Dreh am Gasgriff, um den Motor wieder zu starten. Das System ist auch deaktivierbar.[22]

Die Modelle mit DCT benötigen keinen Kupplungshebel, aber eine Parkbremse und besitzen statt des elektrischen Rückwärtsganges einen „Walking Mode“, der das Rangieren sowohl rückwärts, als auch vorwärts mit zwei Knöpfen an der linken Bedieneinheit erleichtert. Im Automatik-Fahrbetrieb (D) kann mit ihnen manuell hoch- oder heruntergeschaltet werden. Im manuellen Modus (MT) schaltet das Getriebe nicht selbstständig hoch, aber bei Verringerung der Geschwindigkeit automatisch herunter. Die Bedienung des elektrischen Rückwärtsgangs beim Modell ohne DCT ist jetzt auch am linken Bedienteil untergebracht. Die zweithöchsten Gänge beider Getriebe sind mit 0,666 fast identisch übersetzt wie der 5. Gang (0,686) der SC 68. Die Übersetzung des höchsten Ganges ist mit 0,522 deutlich länger als bisher und dürfte bei Tempo 100 eine Drehzahl von nur ca. 2000 Umdrehungen pro Minute ermöglichen

Die Auspuffanlage der Gold Wing ist komplett aus Edelstahl und mit zwei Dreiwege-Katalysatoren ausgestattet. Wie schon bei der ersten GL 1800 ist die Verwendung von E10-Benzin möglich. Der unter der Sitzbank positionierte Tank ist vier Liter kleiner als bisher, soll aber durch den auf 5,6 Liter/100 km verringerten Verbrauch annähernd die gleiche Reichweite erlauben. Mit den Fahrmodi Tour, Sport, Econ und Rain verändert sich nicht nur das Ansprechverhalten der Federung und Dämpfung, sondern auch die Traktionskontrolle, Leistung und Drehmoment des Motors und bei den Modellen mit DCT das Schaltverhalten der Automatik.[22] Über abrufbare Voreinstellungen kann außerdem die Dämpfung und Vorspannung der Federung auf den Betrieb solo oder mit Sozius und/oder Gepäck verändert werden.[23]

Folgende fünf Modellvarianten werden gebaut, aber nicht alle werden in jedem Land angeboten.[23] Eine Version ganz ohne Verkleidung analog zur F6C ist nicht mehr im Programm

GL 1800 Gold Wing (GL 1800B) ohne Topcase

Das Basismodell mit Sechsgang-Schaltgetriebe nimmt das Konzept der bisherigen F6B auf. Als „Bagger“ ist sie nur mit Seitenkoffern (Bags) ausgerüstet und hat statt des Topcases nur eine demontierbare Abdeckung. Sie kann aber nachträglich mit dem Topcase der Tour-Version ausgerüstet werden. Eine Sitzheizung und einen Hauptständer hat dieses Modell nicht. Der Airbag ist auch nicht optional lieferbar. Die US-Version ist durch fehlende Ausstattungsdetails, wie Werkzeugsatz, Start-Stopp-System und Rückwärtsgang mit 357 kg voll betankt noch leichter als die Version für Europa und Kanada mit 365 kg. Die Windschutzscheibe ist 9 cm niedriger als bei der Gold Wing Tour

GL 1800 Gold Wing (GL 1800BD) ohne Topcase mit DCT-Doppelkupplungsgetriebe

Das Baggermodell mit Doppelkupplungsgetriebe für die Vereinigten Staaten und Kanada wird in Europa wahrscheinlich nur über Grauimporte zu erwerben sein. In der offiziellen deutschsprachigen Pressemitteilung wird es nicht erwähnt

GL 1800 Gold Wing Tour (GL 1800) mit Topcase und Schaltgetriebe

Dieses Modell entspricht dem Bild der klassischen Gold Wing mit Schaltgetriebe, Kofferraum und bequemem Soziussitz mit hoher Rückenlehne, getrennt für Fahrer und Beifahrer regelbarer Sitzheizung, hinteren Armlehnen und Lautsprechern. Das Topcase kann im Gegensatz zur Vorgängerin entfernt und durch eine Abdeckung ersetzt werden. Das erfordert aber eine mehrstündige Umbauaktion. Laut Handbuch dürfen jeder Seitenkoffer und das Topcase mit jeweils maximal 9 kg Gepäck beladen werden.

GL 1800 Gold Wing Tour (GL 1800D) mit Topcase und DCT-Doppelkupplungsgetriebe

Die klassische Gold Wing ist jetzt auch mit dem schon aus der Honda VFR 1200 und Crosstourer bekannten Automatikgetriebe lieferbar, entspricht in den restlichen Details der Version mit Schaltgetriebe. Das Gewicht vollgetankt beträgt mit beiden Getriebeversionen 379 kg, die Zuladung 192 kg.[23] Diese Version wird in Deutschland und Österreich nach aktuellem Stand nicht angeboten.

GL 1800 Gold Wing Tour (GL 1800DA) mit Topcase, DCT-Doppelkupplungsgetriebe und Airbag

Das Topmodell der GL 1800 mit Airbag wird nicht mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe angeboten, sondern nur noch in Kombination mit DCT verkauft. Das bedeutet, wer dieses Sicherheitsextra haben möchte, muss die Gold Wing mit Vollausstattung kaufen. Das ist auch die schwerste Version mit 383 kg vollgetankt. Das sind 40 kg weniger als bei der SC 68. Sie hat mit 189 kg die geringste Zuladung und kommt damit auf 572 kg zulässiges Gesamtgewicht.[23] Der Airbag ist in der Tankattrappe anstelle des zentralen Handschuhfachs verbaut. Für alle Modelle sind gegen Aufpreis zahlreiche weitere Extras lieferbar.


Honda GL 1800 (2018)[22][23] Daten
Motor6-Zylinder-Viertakt 24-Ventil SOHC Boxermotor
Hubraum1833 cm³
Bohrung × Hub73 × 73 mm
Verdichtung1 : 10,5
Leistung bei 1/min93 kW (125 PS) bei 5500
Drehmoment bei 1/min170 Nm bei 4500
EinspritzungComputergesteuerte Kraftstoffeinspritzung PGM-FI
KühlungWasserkühlung (mit elektr. Ventilatoren)
Schaltgetriebe6-Gang-Getriebe mit Overdrive plus elektr. Rückwärtsgang
Automatik7 Gang DCT-Getriebe inklusive Rückwärtsgang
EndantriebKardanantrieb (2.615)
KupplungMehrscheibenkupplung(en) im Ölbad
RahmenAluminium-Brückenrahmen
Bremse vorneDoppelscheibenbremse, Ø 320 mm
Bremse hinteninnenbelüftete Scheibenbremse, Ø 316 mm
Antiblockiersystemserienmäßig ABS mit Traktionskontrolle
Federung vornDoppel-Querlenker-Gabel, hydraulisch gedämpft
Federweg vorn140 mm
Federung hintenPro-Link, einzelnes Teleskopfederbein rechts
Federweg hinten105 mm, Vorspannung elektrohydraulisch verstellbar
Radstand1695 mm
Gesamtlänge2475 mm (Modell Tour 2575 mm)
Gesamtbreite925 mm
Gesamthöhe1340 mm (Modell Tour 1430 mm)
Sitzhöhe745 mm
Wendekreis3,4 m
Reifengröße vorne130/70R 18 63H
Reifengröße hinten200/55R 16 77H
Gewicht vollgetankt365 kg (Tour 379 kg / mit Airbag 383 kg)
Zul. Gesamtgewicht554 kg (Tour 571 kg)
Tankinhalt21 Liter
Normverbrauch5,6 l/100 km (Benzin)
CO2 Emissionen128 g/km (131 g/km mit DCT)
Höchstgeschwindigkeit180 km/h

(quelle) Wikipedia

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