1987 erschien in den USA die GL 1500, erstmals mit Sechszylindermotor und 74 kW (98 PS) Leistung. 1988 wurde das neue Modell auch in Europa eingeführt. Der große Motor verzichtete auf Vierventil-Technik und hohe Drehzahlen zugunsten von Langlebigkeit und Drehmoment. Der rote Bereich begann schon bei 5.500 Umdrehungen, statt bei 7.500, wie bei den letzten Vierzylindern, das höchste Drehmoment bei 4.000 U/min. 180° Hubzapfenversatz sorgten dafür, dass die gegenüberliegenden Kolben sich gleichzeitig nach innen oder außen bewegten, was dem Motor eine hohe Laufruhe verlieh.

Die Interstate war das Basismodell und die Luxusversion nannte Honda wieder Aspencade. Das nun 390 kg schwere Motorrad hatte einen echten Overdrive für ein noch niedrigeres Drehzahlniveau beim Reisen und dazu einen Tempomat sowie als Neuheit den elektrischen Rückwärtsgang, der den Fahrer über den Anlassermotor beim Rangieren unterstützte (nicht bei der Interstate). Die ab 1990 zusätzlich angebotene GL 1500 SE (Special Edition) besaß serienmäßig ein Radio mit Kassettenlaufwerk, Zweifarblackierung und in den USA zusätzliche Kurvenleuchten, die sich beim Blinken einschalteten.

Die Audiowiedergabe erfolgte über zwei, bei der SE vier, offen eingebaute oder wahlweise im Helm einzubauende Lautsprecher. Über ein Intercom-System konnte mit Sozia oder Sozius gesprochen werden. Helm und Motorrad sind über Spiralkabel mit Steckkupplungen verbunden, die bei einer eventuellen Zwangstrennung von Fahrer und Motorrad abreißen. Durch ein wahlweise angebotenes CB-Funkgerät ist eine Kommunikation mit anderen Gold-Wing-Fahrern möglich.

Erst 1993 wurden auch die Modelle in Deutschland offiziell mit hoher Scheibe und Topcase ausgeliefert. Bis dahin wurden aufgrund der StVO sowohl Scheibe als auch Topcase in nur geringer Höhe an den GL 1500 angebracht, was speziell dem Topcase den Spitznamen „Pizzakoffer“ einbrachte. Im Nachhinein können die GL 1500 von vor 1993 als Vorläufer der 2012 erschienenen F6B betrachtet werden.

1995 reduzierte Honda die Sitzhöhen aller Varianten durch eine neue, nun einheitliche Sitzbank um 10 – 30 mm.[9] Ab 1996 entfiel das Einstiegsmodell Interstate. Bis zum Jahr 2000, dem 25. Jahr der Gold Wing Produktion, wurden keine größeren Modifikationen mehr an der 1500er eingeführt. Honda konzentrierte sich schon auf die Entwicklung der GL 1800.

Das Wachstum des Marktes im Segment der großen Cruiser, von dem primär Harley-Davidson profitierte, veranlasste Honda of America, 1992 die Entwicklung eines neuen Motorrades im Retrodesign mit dem Sechszylinder-Boxermotor der Gold Wing anzugehen.[10] Ab 1997 wurde die GL 1500 auch als unverkleidetes Modell Valkyrie oder F6C angeboten. Der Name Gold Wing blieb aber den verkleideten Modellen vorbehalten.

Der Motor wurde überarbeitet, bekam sechs 28 mm-Keihin-Vergaser statt der zwei 36er und eine Nockenwelle mit veränderten Öffnungszeiten zugunsten höherer Leistung. Die Hydrostößel wurden durch mechanische ersetzt, was kürzere Wartungsintervalle nötig machte. Der Stahlrahmen im Cruiser-Look wurde durch viele Chromteile, herkömmliche Federbeine am Heck und einen tropfenförmigen Tank mit 20 Litern Fassungsvermögen ergänzt. Für die Basisversion waren Lederpacktaschen lieferbar. Die Variante Valkyrie Tourer hatte stattdessen lackierte Kunststoffkoffer und eine hohe Windschutzscheibe und wurde in schwarz oder in rot-weißer Zweifarblackierung angeboten.

1999 ergänzte die Valkyrie Interstate mit Seitenkoffern, 49-Liter-Topcase und einer großen Lenkerverkleidung mit Doppelscheinwerfer im Stil der Automobile der 50er Jahre das Programm. Honda versuchte damit, der Harley Davidson Elektra Glide Konkurrenz zu machen, ohne der eigenen modern gestalteten Gold Wing Kunden wegzunehmen. Der Tank war mit 26 Litern etwas größer und in der lenkerfesten Verkleidung war auch ein Radio mit Lautsprechern installiert. Die Valkyrie Interstate wurde bis 2001 auch noch parallel zur neuen Gold Wing GL 1800 gebaut. Allerdings verzichtete Honda darauf, sie mit dem neuen Motor auszurüsten und im Jahr 2002 wurde sie nicht mehr angeboten. Die 2003 vorgestellte Honda Valkyrie Rune mit dem 1832 cm³ Motor war kein klassischer Cruiser mehr.

Honda GL 1500 SE (1993)[6][7][8] Daten
Motor6-Zylinder-Viertakt Boxer-Motor
Hubraum1520 cm³
Bohrung × Hub71 × 64 mm
Verdichtung1 : 9,8
Leistung bei 1/min74 kW (98 PS) bei 5200
Drehmoment bei 1/min150 Nm bei 4000
Vergaser2 Keihin-CV-Fallstromvergaser, Ø 33 oder 36 mm
KühlungWasserkühlung
Getriebe5-Gang-Getriebe mit Overdrive plus elektr. Rückwärtsgang
EndantriebKardanantrieb
KupplungMehrscheibenkupplung im Ölbad
RahmenDoppelschleifen-Stahlrohrrahmen
Bremse vorneDoppelscheibenbremse, Ø 296 mm
Bremse hintenScheibenbremse, Ø 296 mm
Federung vornTeleskopgabel, Ø 41 mm, hydraulisch gedämpft
Federweg vorn140 mm
Federung hintenSchwinge, rechts luftunterstützt
Federweg hinten105 mm, Vorspannung pneumatisch verstellbar
Radstand1700 mm
Gesamtlänge2630 mm
Gesamtbreite955 mm
Gesamthöhe1525 mm
Sitzhöhe770 mm
Reifengröße vorne130/70R18 63H
Reifengröße hinten160/80R16 75H
Leergewicht390 kg
Zul. Gesamtgewicht570 kg
Tankinhalt23 Liter
Normverbrauch6,5 l/100 km (Benzin)
Höchstgeschwindigkeit184 km/h
Beschleunigung4,9 Sekunden bis 100 km/h

(quelle) Wikipedia

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